Albanien

Wie heißt es in Kraftwerks Autobahn so schön: Die Fahrbahn ist ein graues Band, weiße Streifen, grüner Rand.

Die grauen Bänder sind von stattlicher Breite, so hab ich mit meinem Drahtesel ordentlich Platz. Weiße Streifen gibt es meistens auch, nur der grüne Rand ist eher ein Müllrand und somit in Albanien wirklich alles anders als zuvor.

Nachdem ich die Grenze und 1000 Kilometer Marke überqueren durfte ging es ohne viel Verkehr in Richtung Shkodra, der ersten größeren Stadt im Norden Albaniens. In der Stadt bin ich überrascht vom hohen Anteil an Mercedes Autos, werde am Abend jedoch belehrt das es in Albanien nur 2 Arten von Fahrzeugen und Straßen gibt: Mercedes & bad car. Good road & bad road.

Den Tipp mit der good Road nach Lezhë hab ich mir vom Albaner in der Unterkunft geholt, in vielen Radreiseberichten war von den größtenteils schlechten Straßen zu lesen, war aber am ersten Tag sehr überrascht über den guten Zustand. Nach gut 100 Kilometer erreichte ich mein abgelegenes ‚Kompleksi Sebastiano‘, es gab guten Fisch und auch zwei Holländer die mit dem Rad nach Asien unterwegs sind bezogen das Zimmer neben mir.

Tirana

Beim Frühstück ergab sich das Harm & Anni auch nach Tirana wollen und wir gemeinsam fahren sollten. Der Routenvorschlag führte teilweise über die Autobahn bzw. Schnellstraße, so war es im Gespann sicherer da wir alle nicht so recht wussten wir die Autofahrer auf uns reagieren. Ich und Harm duellierten uns im Windschatten fahren, mit fast 30 km/h ging es Richtung Hauptstadt!

am Skanderberg Platz in Tirana

Die beiden blieben jedoch 2 Tage in Tirana, sodass sich unsere Wege wieder trennten. Aber es war sehr angenehm mal in der Gruppe zu fahren und nicht immer alleine durch die Gegend zu rollen.

Radweg in Tirana, in your Face Graz!!!

Wie man vielleicht schon mitgekriegt hat bin ich nicht der große Stadterkunder, mich interessieren die ganzen Skulpturen, Büsten und Denkmäler nur bedingt. Tirana ist riesig, wir haben fast eine Stunde von den ersten Vororten in das Zentrum gebraucht. Die Eindrücke die man am Fahrrad erlebt gibt es in keinem Bus, in keinem Auto! Am Abend ist man aber so geschlaucht das keine große Sightseeingtour mehr möglich ist. Gesehen hat man eh schon genug, nur eben nicht die typischen Touristenplätze 🙂

Durrës

Und weiter geht es am nächsten Tag zurück an das Meer. Diesmal sollte eine bad road an der Reihe sein, bin aber nach dem Autobahn/Schnellstraßen Tag davor froh, relativ alleine auf der Straße zu sein! Da gegen Mittag Regen aufkommt entschließ ich mich in Durrës zu bleiben.

Ich würde Durrës als das Lignano Albaniens bezeichnen. Am Strand reihen sich kilometerlang die Appartementhäuser und Hotels aneinander. Das meiste steht leer, wurde nie fertig gebaut oder wird erst in den kommenden Wochen für die Saison wieder auf Vordermann gebracht. Alles in allem aber ein sehr trister Anblick, was kurzfristige Booms an Bausünden verursacht!

Fier

Heute war ich schon auf etwas Autobahn bzw. Schnellstraße vorbereitet, jedoch das erste mal waren wirklich Schilder wo explizit verboten wird mit dem Fahrrad die Straße zu benutzen. Blöd nur wenn die Einheimischen immer wieder auf ebendiese Straßen verweisen. Und ja: Die Autofahrer überholen mit großen Abstand, hupen nicht und die Polizei winkt einen sogar zu. Verrückt! Nach einer halben Stunde war es dann jedoch genug, die Abgase und der Lärm sind auf Dauer nicht auszuhalten.

ich war nicht allein

Glücklicherweise hatte ich noch einen Umweg im Kopf, abseits der Autobahn änderten sich die Abgase zu Staub und der Asphalt zu Schotter. Das einzig lästige waren die Millionen Insekten die ich nicht wirklich essen wollte, nur durch die Nase atmen verhaut aber einen die Durchschnittsgeschwindigkeit.

wo führt sie hin?

Auffallend ist definitiv der Nord / Süd Unterschied nach Tirana. Während im Norden scheinbar die reichere Hälfte wohnt mit schönen Häusern und dicken Autos sieht man hier im Süden viele ärmliche Gegenden die hauptsächlich von Landwirtschaft lebt und abseits der Autobahn Leute mit Viehwägen und Mopeds.

Morgen geht es dann in die letzte Stadt, in das kulturelle Zentrum Albaniens nach Gjirokastra. Das heißt auch wieder zurück in die Berge, ich freu mich aber schon auf Radlpause bis Sonntag.

530 Kilometer fehlen dann noch nach Athen, also,ungefähr noch 7 Tage am Fahrrad. Dann gibt‘s Urlaub. Wohlverdient!

Schöne Grüße aus Fier

Stefan


Montenegro

Nach der recht kurzen Nacht in Kotor wusste ich Freitag früh noch immer nicht so recht wie ich von der Bucht rauskomme. Es gab einerseits die Variante durch den 2 Kilometer langen und unbeleuchteten Tunnel, über den Hügel nach Budva oder die 26 Serpentinen rauf nach Cetinje.

Den Tunnel mit dem morgendlichen Berufsverkehr wollte ich mir nicht antun, Budva wär ein ordentlicher Umweg nach Podgorica gewesen – so blieb nurmehr die harte Tour von 0 auf 1000 Meter auf der engen Straße. 2 Stunden später wurde ich für die Mühe belohnt:

Durch die Serpentinen war die Auffahrt gemütlicher als gedacht, vorallem aber weil man sowieso bei jeder Kurve stehen bleibt und die immer besser werdende Aussicht genießt.

Man findet nur recht spärlich Informationen zu der Straße, die Entscheidung war aber definitiv die richtige! Nach 10 Uhr möchte ich dort aber nicht fahren – Reisebusse rauf und runter, nicht lustig!

Der restliche Weg in die montenegrinische Hauptstadt war ein ständiges auf und ab. Als dann der Skutarisee langsam immer größer wurde, wusste ich das Podgorica nichtmehr weit sein kann.

Gestern, Ostersamstag, gab es dann einen wohlverdienten Ruhetag der zum Wäsche waschen und Rad servicieren genutzt wurde. Bis auf eine fehlende Schraube war bis dato auch nichts kaputt oder zu ersetzen (*auf Holz klopf*).

Die Stadt ist kleiner als Graz, sehr grün und relativ jung was die Bauwerke betrifft. Das einzige Foto das dabei entstand ist eines vom Uhrturm – auf den sind sie anscheinend recht stolz! Aber Podgorica und Montenegro ist definitiv noch eine Reise wert – ein sehr beeindruckendes Land!

der Uhrturm

Gestern Abend hatte ich noch ein interessantes Gespräch mit einem Albaner der im selben Guesthouse wie ich schlief. Die Route nach der Grenze ist noch recht ungewiss, aber ich hab wertvolle Tipps erhalten wo es lang gehen könnte!

Schöne Grüße aus Lezhë

Stefan

Kroatien

So hab ich nun doch meinen Frieden mit Kroatien geschlossen! Nach rund 820 Kilometer ging es gestern über die Grenze nach Montenegro.

Fazit aus 7 Tagen radfahren in Kroatien:

  • alle VW Golf 1 & 2 führen ein glückliches Leben ohne Stoßstange im Süden von Kroatien
  • Kroaten haben tierische Angst das sich ihre Autos nichtmehr starten lassen – deswegen werden sie während eines Einkaufs auch nicht abgestellt. Auch wenn man 20 Minuten mit der Verkäuferin tratscht (mehrmals beobachtet)
  • Je näher man einer Stadt kommt, desto weiträumiger wird überholt
  • Deutschen is das total egal, da wird Spiegel an Spiegel überholt und ordentlich in‘s Gas gestiegen damit sich die Schummelsoftware auch auszahlt!

Neum – Herceg Novi

Dubrovnik bin ich gestern beim Anblick des Touristenparkplatzes und der dutzenden Busse umfahren. Das war einerseits gut da ich so einen wunderbaren Ausblick die Altstadt hatte, andererseits war der Berg nicht ohne starken Verkehr zu erklimmen. Der Spaß hielt sich für die paar Kilometer in Grenzen wo es doch einige Meter rechts von mir runter ging 🙂

Also die letzten 3 Tage entlang der Küste werd ich wohl lange nicht vergessen. Ich dachte mir nicht, dass die kroatische Küste so wunderschön ist! Wenn mal jemand nach Dubrovnik fährt empfehle ich sehr den längeren Weg entlang der Küste zu nehmen anstatt im Hinterland die Autobahn entlang zu rasen.

Montenegro & Kotor

Nr 4 – Montenegro!

3 Länder an einen Tag zu beradeln hat etwas besonderes. Nach dem kleinen Stück in Bosnien ging es die letzten Kilometer durch Kroatien nach Montenegro. Erster erkennbarer Unterschied: noch mehr alte VW Golf die schon lange keine Pickerlüberprüfung gesehen haben. Viel mehr Tankstellen und Waschanlagen (sauberes Auto = gutes Auto), aber auch weniger Tourismus – auf den ersten Blick.

Die geschichtsträchtige Bucht von Kotor ist der Geheimtipp am Balkan. Die Berge welche tausend Meter neben einen in die Höhe ragen lassen einen ganz klein vorkommen. Die überlaufene Altstadt werd ich heute noch erkunden bevor es morgen weiter geht. Da gibt es mehrere Möglichkeiten, bin mir noch nicht sicher ob ich die extreme oder gemütliche Variante raus aus der Bucht nehme – mehr dazu dann aber im nächsten Eintrag 🙂