Follow the sun

Samstag hab ich endlich das Meer erreicht! Sonntag gab es noch einen Ruhetag in Split und seit gestern bin ich wieder auf Achse. Text gab es im letzten Eintrag genug – heute mal fast nur Bilder!

Drniš – Split

Split – Makarska

Makarska – Neum

Wie man sieht: Die Strapazen der ersten Tage haben sich gelohnt, 20 Grad und Sonnenschein all day long!

Die Nacht verbringe ich heute in Neum, eine Stadt im 10 Kilometer langen Meerzugangsstreifen Bosniens. Montenegro liegt in greifbarer Nähe, Osternestsuche gibt es für mich in Podgorica!

Stefan

Berge, Regen, Schnee & Trittfrequenz

Eigentlich wollte ich erst morgen was schreiben wenn ich am Meer bin, aber der heutige Tag war sehr ereignisreich und sollte gleich zu virtuellen Papier gebracht werden!

Mittwoch, Tag 5

Los ging es ohne ein konkretes Ziel. Eigentlich war der Tag schon für eine Pause reserviert aber da sich meine Beine gut anfühlten und der erwartete Regen am Morgen ausblieb sattelte ich wieder mein Pferd und die erste Steigung rauf zum Plitvicer Nationalpark ging erstaunlich gut!

atemberaubende Wasserfälle

40 Kilometer später kam dann der erwartete Regen. Die Ebene nach dem Nationalpark hat mich ein bisschen an eine Alm erinnert, nur trister. Die Motivation ließ dann Kilometer für Kilometer etwas nach und jedes Ortsschild hatte dann schon große Hoffnung nach einem Zimmer für die Nacht geweckt. Die wurde aber nach durchschnittlich 3 Häusern und einem weiteren Ortsschild immer wieder zu Nichte gemacht.

In Udbina, ein kleines Dorf mit mehr als 3 Häusern angekommen schwankte ich zwischen dem nicht sehr freundlich aussehenden ´Red Panther Guesthousé oder der Möglichkeit doch noch weiterzufahren. Die Entscheidung fiel auf letzteres und 15 Minuten später bei dichten Regen und Hagel bereute ich diese zutiefst. Egal – Wasserkühlung war ich schon gewohnt und so ging es dann nochmals gut 30 Kilometer quer durch die Prärie.

Letztendlich hat sich dieser Höllenritt aber definitiv ausgezahlt. In Gračac fand ich bei der Bar Marino ein nagelneues Appartement von Mario. Dessen Frau hat gleich meine durchnässte Wäsche eingepackt und am Abend frisch gewaschen zurückgebracht. Somit stand dem Pausentag gestern nichts mehr im Weg!

Freitag, Tag 6

Regeneriert und voller Motivation startete ich nach einer netten Unterhaltung mit einer Salzburger Pilgergruppe, die am Weg nach Medjugorje war, gegen halb 10 in Richtung Süden. Das Ziel war heute Drniš wo es noch rund 70 Kilometer ans Meer sind. Der Weg dort hin hatte es aber in sich!

Anzumerken ist, dass mir die Pilgergruppe vom eigenartigen Wetter in Gračac / Knin und Umgebung erzählt hat. Es ging auch um umgefallene Autos und extremen Windböen sodass Straßen und Brücken gesperrt werden mussten.

Bereits nach ein paar Minuten setzte der gewohnte Regen ein, der sich aber nach kurzer Zeit in Schnee verwandelte. What the f*ck?? Der Pass hoch nach der Ortschaft Grab (!!) ging noch ganz gut. Die 0 Grad Celsius waren auch kein Problem da ich sowieso die ganze Zeit ordentlich in die Pedale treten musste. Aber als dann kurz vor der Passhöhe ein Militärfahrzeug umgekippt (!!!) auf der Straße lag und extremst heftige Windböen aufkamen, welche mich um mehrere Meter versetzten (!!!!) und ich mir bei jeder Brücke dachte ‚da wirst du jetzt nicht runtergeweht‘! Da war es dann aus mit mir und der Reiseproviant wurde geleert.

Benni, Melli: der Gin is weg!

Den Berg runter gab es ‚glücklicherweise‘ wieder Regen, in Knin heißen Tee und trockene Socken. Das Militärfahrzeug war zu schnell dran, leider hat mich die Polizei am Schnappschuss des Schlachtfeldes gehindert, aber ich war kurz davor meine Lebenseinstellung zu hinterfragen 😀 Die restlichen 25 Kilometer nach Drniš waren ein Kindergeburtstag….

Berate dich, wenn du sonst niemanden hast, mit deinem Knie!

Okay, das ist nur ein schnell gegoogeltes japanisches Sprichwort aber irgendeine Einleitung braucht man für den neuen Absatz 😉

Fakt ist: Mein rechtes Knie meldet sich bei jeder Steigung die über 6% und mehrere Kilometer hinausgeht. Mein Problem ist, dass ich nicht die gelenkschonende Trittfrequenz von mindestens 70 bis 75 Umdrehungen pro Minute mit dem Gewicht schaffe. Die kleinst mögliche Übersetzung hab ich schon, also gibts nur eine Abhilfe:

Farewell 10 Kilo!

Das Campingequipment verpackt in 3 Taschen ging heute mit der Post in Richtung Graz. Ich hab keine Lust mir mit dieser Reise mein(e) Knie nachhaltig zu beschädigen. Es kommen noch einige Höhenmeter auf mich zu, welche auch mit 15 Kilo Gepäck eine Herausforderung sein werden!

Morgen geht es, nach genau einer Woche, endlich an die Küste! Ich freu mich schon sehr auf Meerluft, frischen Fisch und hoffentlich bald auch kurze Radlerhosen!

Liebe Grüße aus Drniš

Stefan

Links, Rechts, Links…

Gestern ging es rund 110 Kilometer von Krapina via Zagreb nach Karlovac. Den ersten Teil der Strecke fuhr ich unabsichtlich auf der Hauptverkehrsader, bemerkte den Fehler aber recht schnell und wechselte auf die alte Landstraße. Hier ging es dann gemütlich mit etwas Rückenwind zum Decathlon am Rande von Zagreb.

Schlafsack hab ich keinen gekauft. Zum einen wären die Dinger viel zu teuer, zum anderen zu groß für meine Gepäcktasche. Nach kurzer Beratung mit meiner Liebsten ging es bei aufkommenden Sonnenschein weiter.

Mit ordentlich Rückenwind (teilweise 35km/h – das ist mit dem Rennrad schon schnell) erreichte ich das Ziel am frühen Abend. Mangels Schlafsack suchte ich mir ein ‚Sobe’ bei einer netten alten Dame mit Papst-Audienz-Foto am Kasten und gönnte mir das, was ich schon immer mal machen wollte:

Ein Karlovačko in Karlovac – Lifegoal!

Bergetappe

Nach erneutem Regen in der Früh ging es Richtung Süden in die Berge. Heut hab ich mal bemerkt wieviel mehr man auf dem Reiserad von der Fahrbahn und der Umgebung mitkriegt. Ich sah Schrauben von Autoreifen, Bremsbeläge, Schuhe, die ganze Front eines Autos im Straßengraben, tote Tiere, Millionen von Tschickstummeln und vorallem eins: tonnenweise Müll!!

Positiv zu erwähnen ist die Blinkmentalität der kroatischen LKW Fahrer. Bis auf zwei Situationen wo es richtig knapp wurde kündigten sie sich immer brav mit rechtzeitig Blinken an – an alle Radreisenden: Rückspiegel sind Gold wert!


Die heutigen 750 Höhenmeter waren nur der Anfang. Bis Split sind es nochmals gut 2000 in den nächsten 3 Tagen und ich muss ehrlich zugeben mit dem ganzen Gepäck ist das ganz schön heftig! Bis dahin werde ich mir überlegen ob ich einen Teil der Campingausrüstung nach Hause schicke. Eine heiße Dusche und ein ordentliches Bett lässt den Gemütszustand gewaltig steigen nach einen anstrengenden Tag.

Aber bis dahin hab ich noch viel Zeit zu treten und denken!

So long

Stefan